Ubuntu und radeonhd: zu lange dauert es

Wer das Geschehen beobachtet hat, wird gelesen haben, dass am X.org-Treiber radeonhd von wenigstens drei Entwicklern bei Novell intensiv gearbeitet wird. Das ist wesentlich mehr als beim alten Treiber radeon. Trotzdem kommt radeon schneller voran. Hauptursache dürfte sein, dass radeon AtomBIOS verwendet während radeonhd diese Zwischenschicht umgehen sollte. Ferner wird man gelesen haben, dass AMD nicht begeistert davon ist, dass es mit radeonhd nur schleppend vorangeht. Als Konsequenz haben die Novell-Leute schließlich einen Zweig eröffnet, der auf AtomBIOS aufsetzt. Wenn sie vollständig darauf umschwenken, werden sie einerseits besser die Kräfte von radeon und radeonhd bündeln können und andererseits am Ende viel Zeit sparen, auch wenn es anfangs erstmal zusätzliche Verzögerungen gegeben haben wird. Ideologische Aspekte seien an dieser Stelle nicht weiter erwähnt.

So weit so traurig. Wie lange dauert es bis ein neues Release des Treibers fertig wird? Das letzte war Version 1.2 (und 1.2.1) von Mitte April, vier Monate nach 1.0. Wenn die nächste Version noch im August fertig werden sollte, kann sie in Ubuntu 8.10 reinkommen, später wird es schwer. Dann findet sie erst Einzug in Ubuntu 9.04. Das heißt, wer sich im Juni eine Radeon HD48xx gekauft hat, wird möglicherweise bis April 2009 warten müssen bis das System die Karte out-of-the-box ordentlich unterstützt, ganz zu schweigen vom Funktionsumfang und eventuellen Bugfixes des Treibers. Wenn es schlecht läuft, ist es andernfalls nur der Vesa-Treiber mit einer maximalen Auflösung von 800×600.

So läuft es bei den meisten Distributionen. Fedora ist da etwas mutiger und macht bei Treibern auch zwischendrin Updates, was natürlich immer mit einem Risiko verbunden ist. Bei Anwendungssoftware wie KDE sieht es aber nicht viel anders aus: KDE 4.1 wird wohl in Kubuntu 8.10 der Desktop sein. Aber in welcher Version ganz genau? 4.1.1? 4.1.2? In jedem Fall wird es wohl noch mehr Bugfixes geben wenn 4.2.0 fertig wird und diese werden es größtenteils nie in ein Kubuntu schaffen, weil immer das nächste Feature Release von KDE bereits draußen ist.

Diese Zyklen sind sehr lang, teilweise zu lang. Während man es bei vielen Programmen verschmerzen kann, wenn man sechs Monate auf ein Update warten muss, ist es bei Treibern oder für die Nutzung kritischer Software anders. Ein Update wird sofort gebraucht – und es muss für den normalen Anwender zu machen sein, ohne das System kaputt zu machen und ohne beim Update aufs nächste Release ein böses Erwachen zu erleben. GNU/Linux ist auf dem Desktop langsam auf dem Vormarsch. Es könnte schneller gehen wenn dieses Problem eine ordentliche Lösung fände.

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